Schöne Scheiße Oder: Wenn ich ehrlich sein soll...

Ich habe mich in den letzten Wochen und vor allem in der Zeit zwischen Heiligabend und Silvester etwas zurückgezogen. Aus der Onlinewelt, aus meinem Umfeld, ich als Dramatikerin würde ja sagen: Aus meinem Leben. Nicht körperlich, aber innerlich. Ich hatte die Hoffnung dabei mich selbst wieder zu finden. Oder ein bisschen mehr. Denn wenn ich ehrlich sein soll, ist nicht immer alles gut. Und vor allem nicht jetzt.

Bild: Unsplash - Joanna Kosinska

In dieser Zeit zwischen Heiligabend und Silvester habe ich meinen fünfundzwanzigsten Geburtstag gefeiert. Fünfundzwanzig, das wird mein Jahr, habe ich davor immer gesagt. Das lag vor allem auch an meinem Tick, denn ich mag Zahlen, die sich durch Fünf teilen lassen. Und jetzt, jetzt fühlt sich nichts an wie mein Jahr. Überhaupt fühlt sich mein Leben verbraucht an, ich fühle mich alt und leer und irgendwie fehl am Platz.

Das Leben ist nicht immer schön

Ich kenne dieses Gefühl bereits und es gibt einen Grund, warum ich dir jetzt davon erzählen möchte. Denn ich will keiner von diesen Das-Leben-ist-so-schön-und-mir-geht-es-immer-gut-Bloggern sein. Ich will ehrlich zu dir sein. Und wenn ich ehrlich sein soll, dann ist das Leben nicht immer schön. Klar gibt es viele Tage an denen alles perfekt ist, an denen ich vorwärts komme, mutwärts gehe. Und dann gibt es aber eben auch noch die anderen Tage, von denen ich nur wenigen Menschen erzähle. Denn wenn ich erzähle, muss ich erklären und erklären kann ich mir das manchmal selbst nicht. Eine Depression lässt sich schwer in Worte fassen. Von einem Moment auf den anderen ist alles anders. Als wäre in mir drin ein schwarzes Loch, das alles Gute in sich aufsaugt. Als hätte jemand das Licht ausgeknipst, alle Farben mit Schwarz übermalt, als hätte mich die ganze Welt allein gelassen. Dann fühlt sich alles anders an, denn dann fühle ich fast nichts mehr. Von einem Moment auf den anderen ist alles scheiße. Und ja, verdammt, dieses Wort ist hier angebracht, denn das Leben ist manchmal die reinste Scheiße.

Alles, was man nicht braucht, ist ein guter Rat

Ich erzähle dir davon, weil ich weiß, dass es vielen anderen genauso geht. Und nein, ich habe heute leider keinen guten Rat für diejenigen. Alles was ich heute will, ist diese Gedanken mit dir zu teilen. Und je mehr ich schreibe, desto besser geht es mir. Denn manchmal hilft es, einfach nur darüber zu reden. Manchmal hilft es, einfach nur zu wissen, dass man nicht allein ist. Manchmal hilft es, sich nur daran zu erinnern, dass diese Tage vorbeigehen. Und dann dürfen wir uns doppelt über all das Gute  in unserem Leben freuen. Jeden Sonnenstrahl und jedes Lachen feiern, alles was uns gegeben wird, zweimal zurückgeben, und jedem der es hören will sagen, dass das Leben schön ist. Denn das ist es, grundsätzlich. Mit all seinen Farben und all seinem Schwarz, mit jedem erreichten Ziel und jeder ausweglosen Talfahrt. Mit jedem Glücksgefühl und jedem Schmerz, jedem Lächeln und jeder Träne. Das Leben ist schön. Und fünfundzwanzig, da bin ich mir sicher, wird mein Jahr.

Und zum Schluss vielleicht doch noch ein winzigkleiner guter Rat: Solltest du nicht glauben, dass das alles wieder vorbeigeht und dich in dieser Situation gefangen fühlen, dann bitte rede mit jemandem darüber. Das alles muss raus aus dir und daran gibt es absolut nichts, wofür man sich schämen müsste, glaub mir. Wenn du magst, schreib auch gerne an mich. Ich bin zwar kein Therapeut, aber ich weiß vermutlich, wie es dir geht und wie gesagt: Manchmal hilft es, einfach nur darüber zu reden.

In diesem Sinne wünsche ich dir alles Liebe und jemanden, der dir die Scheiße vom Schuh kratzt, in die man auf dem Weg des Lebens eben manchmal tritt.

Sabrina

Sabrina

Sabrina ist Yogalehrerin, Autorin und das Gesicht hinter » Mutwärts «. Sie liebt es, sich kreativ auszutoben, unvergessliche Momente in Bildern und Texten lebendig werden zu lassen und im Herzen der Natur zu leben. Das Thema » Angst « nahm in den letzten Jahren einen wesentlichen Platz in ihrem Leben ein. Wie sie damit umgeht und ihre Grenzen durchbricht möchte sie mit dir auf diesem Blog teilen.
Sabrina

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5 Kommentare

  1. Ich mag deine Ehrlichkeit und dass du über die Dinge so schreibst, wie es dir in den Sinn kommt. Ich bin froh, dass du nicht nur eine Happy-Sunshine-Bloggerin bist, denn so ist das Leben wirklich für niemanden ständig. Trotzdem alles Liebe nachträglich, auch wenn du vielleicht keinen Bock auf Feiern hattest. Drück dich :*

    P.S. Ich habe auch diesen 5-er Tick, vor allem beim Einkaufen von Obst.

    1. Danke für deine lieben Worte, Anita 🙂 ja es war mir immer wichtig möglichst authentisch zu bleiben.

      Und bin ich froh, dass ich nicht die einzige mit so einem Tick bin 😀

      Alles Liebe,
      Sabrina

  2. Liebe Sabrina

    Schöner Text.

    Da fällt mir folgendes dazu ein:

    Ohne Sonnenuntergang gibt es keinen Sonnenaufgang. Beides gehört zum Leben. Und nach jedem Sonnenuntergang freut man sich umso mehr auf den Sonnenaufgang 🙂

    In diesem Sinne: Möge die Sonne bald wieder scheinen 🙂

    Liebe Grüsse
    Katharina

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