Altes loslassen um Neues zu schaffen – Über die Kraft und Notwendigkeit der Zerstörung

Nur wer lernt zu akzeptieren, dass es so etwas wie Beständigkeit und Gleichbleiben nicht gibt, der wird seinen Weg in die Freiheit finden. Denn nichts ist ewig. Nicht die Freude, nicht das Leben, nicht der Schmerz und auch nicht die Angst. Alles ist in Bewegung, wir, und alles um uns herum, befinden uns in stetigem Wandel.  Dies zu erkennen, beziehungsweise diese Erkenntnis anzunehmen, hat mich enorm weitergebracht. Und vielleicht hilft es nun auch dir, einen weiteren Schritt mutwärts zu gehen.

Shiva, der Zerstörer

Im Zuge meiner Yogalehrerausbildung bin ich zum ersten Mal wirklich in Berührung mit dem indischen Gott Shiva gekommen. Shiva ist der Dritte im Bündnis der Trimurti, der kosmischen Einheit. Neben Brahma, dem Erschaffer, und Vishnu, dem Erhalter, manifestiert Shiva sich als Zerstörer. Er ist die reinigende Kraft, die Altes auflöst und Illusion und Unwissenheit zunichte macht. Somit gilt Shiva als der wohl bedeutendste und kraftvollste aller Götter, denn er schafft Raum für einen Neuanfang, für eine neue Schöpfung.

Es hat mich einige Zeit gekostet, bis ich dieses Prinzip verstanden habe. Ich habe mich auch lange geweigert daran zu glauben, da ich mit dem Loslassen schon immer meine Schwierigkeiten hatte. Doch wenn ich mich heute umsehe, kann ich es in Allem wiederfinden. Ohne die vernichtende Kälte des Winters gäbe es kein Aufblühen des Frühlings. Ohne die dunkle Stille der Nacht gäbe es kein Erwachen am Morgen. Und so kann auch ohne die Auflösung festgesetzter Gedankengänge und Glaubenssätze nichts Neues entstehen. Wir bleiben stecken im Treibsand der Vergangenheit, klammern uns an Erinnerungen und Hoffnungen und merken dabei nicht, wie sich unsere innerste Wahrheit immer weiter von uns entfernt und uns die Essenz dieses Lebens durch die Finger rieselt. Zerstörung ist also etwas Gutes, Zerstörung gibt den Weg zum Wandel frei.

Dein Herz kennt den Weg

Nun ist es oft gerade die Angst, vor einer ungewissen Zukunft, vor Kontrollverlust oder gar dem Loslassen selbst, die uns an Altem festhalten lässt. Doch genau diese Angst kann auch unser größter Lehrer sein. In meinem Fall war sie das, denn sie hat mich zum Loslassen gezwungen. Und sie hat mich gelehrt, auf mein Herz zu hören und ihm zu vertrauen. Unser Herz, unsere innerste Stimme, ist der Ort, an dem wir alles finden, was wir im Außen oft vergeblich suchen. Und je mehr ich diesen Ort tatsächlich bewohne, je mehr ich lerne, alle Anhaftungen loszulassen, desto kleiner wird wiederum die Angst.

Was ich dir nun eigentlich damit sagen will ist, dass Loslassen unvermeidbar ist. Das Leben ist Veränderung und Veränderung ist gut, sie lässt uns vorankommen. Sich krampfhaft an Vergangenem festzuklammern ist nicht nur unfassbar kraftraubend, sondern macht uns auch unglücklich und krank. Lerne dich zu befreien, von all dem Ballast den du mit dir herumträgst. Versuche alles und jeden, der dir auf deinem Weg begegnet, als deinen Lehrer anzunehmen, auch die Angst. Vertraue auf deine innere Kraft, deine Intuition, und finde deine eigene Wahrheit.

Nimm Zerstörung und Loslassen als Teil dieses Lebens hin und du wirst deinen Weg leichter, freier und mutiger beschreiten.

 

Zum Abschluss möchte ich nun noch ein kurzes Zitat aus meinem Lieblingsfilm mit dir teilen, welches mich zu diesem Artikel inspiriert hat:

Letzen Endes kam ich zu der Überzeugung, dass es etwas gibt wie die Physik der Suche. Eine Kraft in der Natur, die von so realen Gesetzen regiert wird, wie das Gesetz der Schwerkraft. Das erste physikalische Gesetz der Suche lautet ungefähr so: Wer mutig genug ist alles Vertraute und Wohltuende hinter sich zu lassen, egal was, vom Haus bis zu alten Verletzungen, und sich auf die Suche der Wahrheit macht, sei es nach Innen gewandt oder Außen. Und wer wahrhaft gewillt ist, alles, was ihm auf der Reise passiert, als Schlüssel zu betrachten und jeden, der ihm unterwegs begegnet, als Lehrer zu akzeptieren. Und vor allem, wer dazu bereit ist, sich unangenehmen Realitäten, die einen selbst betreffen, zu stellen und diese zu verzeihen, dem wird sich die Wahrheit offenbaren.
Julia Roberts als Liz Gilbert, Eat Pray Love

 

Bild: Unsplash - Siyan Ren
Sabrina

Sabrina

Sabrina ist Yogalehrerin, Autorin und das Gesicht hinter » Mutwärts «. Sie liebt es, sich kreativ auszutoben, unvergessliche Momente in Bildern und Texten lebendig werden zu lassen und im Herzen der Natur zu leben. Das Thema » Angst « nahm in den letzten Jahren einen wesentlichen Platz in ihrem Leben ein. Wie sie damit umgeht und ihre Grenzen durchbricht möchte sie mit dir auf diesem Blog teilen.
Sabrina

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5 Kommentare

  1. so wahr, liebe Sabrina! Vielen Dank für den schönen Beitrag.

    Ich übe zurzeit das Loslassen von Schönem und Gutem, da ich als digitale Nomadin mal wieder „umziehe“ bzw. weiter reise. Eine spannende Aufgabe, immer wieder aufs Neue. Menschen und Orte loslassen, die schönen Erinnerungen behalten und wer weiß, vielleicht auch irgendwann mal wieder zurück kommen / sich wieder sehen. Vielleicht aber auch nicht.

    Liebe Grüße aus Australien,
    Sonia

    1. Danke für deinen Kommentar, liebe Sonia 🙂 oh ja, das hört sich in der Tat spannend an, stelle ich mir nicht leicht vor. Auf der anderen Seite ist da ja aber (vermutlich) auch die Vorfreude auf das nächste Ziel 🙂

      Liebe Grüße,
      Sabrina

  2. Super toller Beitrag zum Loslassen. Ich habe auch vor ein paar Jahren die Erfahrung mit bewusstem Loslassen gemacht. Seitdem versuche ich es mir immer wieder vor Augen zu führen. Wenn man bewusst los lässt, ist die Angst auch gar nicht so groß 🙂
    Liebe Grüße, Sternchen

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, ja das stimmt. Am Ende tut es einfach nur gut 🙂

      Alles Liebe, Sabrina

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