Brauche ich das wirklich? Warum wir unser Konsumverhalten dringend hinterfragen sollten

Fast Fashion rückt immer mehr in den Fokus des gesellschaftlich kritischen Auges. Das ist gut. Das ist notwendig. Und das ist vor allen Dingen schon lange überfällig. Wie aber können wir als Einzelner ein kollektives und vor allen Dingen nachhaltiges Umdenken in die Wege leiten? Ein erster Schritt könnte sein, unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen.

Bild: Unsplash – Gyorgy Bakos

An den Wühltischen der großen Modehäuser brechen blutige Kriege um die Vier-Euro-Schnäppchen aus. Fashion Weeks schießen wie Pilze aus den Großstadtböden in aller Welt. Und Modeblogger reihen sich im Netz aneinander wie sonst nur die Strandliegen an der italienischen Adria.

Alles muss in ständiger Veränderung sein, es muss schnell gehen, es muss so viel wie möglich sein. Es geht um sich selbst jagende Trends, um die Angst vor dem Zurückbleiben und um Kleidungsstücke, die wir eigentlich nur kaufen um sie wegzuwerfen. Willkommen in der Welt von Fast Fashion. Im Schlagloch der Gesellschaft.

Dass die glänzende Welt dieser schnelllebigen Industrie finstere Schattenseiten hat, wird einem bewusst, sobald man einmal in die Richtung schaut, aus der die angesagten Must-Haves und It-Pieces ihren Weg in unseren Kleiderschrank angetreten haben.

Genau dort entstehen nämlich die Bilder von an Nähmaschinen sitzenden erschöpften Kindern, von eingestürzten Industriehallen und hunderten Toten.

Ist es also nicht längst dringlich an der Zeit zu handeln?

Exzessiver Konsum als Therapieersatz

Es ist ein Problem, das ich seit etlichen Jahren, sowohl an mir selbst als auch an der Gesellschaft, beobachten kann: Wir haben ständig Angst, nicht genug zu haben. Die Leere, die sich durch den monoton im Stress verlaufenden Alltag in uns ausgebreitet hat, versuchen wir mit materiellen Dingen zu füllen. Wir wollen uns ablenken. Und darin sind wir gut, wir Meister der Verdrängung.

Also kaufen wir uns hier einen neuen Mantel, gönnen uns dort eine schicke Jeans und belohnen uns für die im letzten Meeting zurückgelassenen Nerven mit einem Paar extravaganter Schuhe. Doch wer sich dabei einmal genau beobachtet wird schnell feststellen, dass die befriedigende Wirkung nicht lange anhält. Oder erst gar nicht eintritt. Also muss, spätestens wenn die verhasste Kollegin mit einer schöneren Handtasche als unserer eigenen im Büro eintänzelt, schon wieder das nächste Teil her.

Dieses Konsumverhalten beschränkt sich im Übrigen nicht nur auf Mode.

Uns muss also bewusst werden, dass unser Handeln (oder in gewisser Hinsicht auch Nichthandeln) massive Folgen hat. Für unsere Umwelt, für unsere Mitmenschen und für uns selbst.

Aus ökologischer Sicht werden durch diese blinde Konsumgewalt Natur und Mensch nachhaltig geschädigt. Pestizidbelastung, ein enorm hoher Wasserverbrauch (für die Herstellung eines einfachen T-Shirts werden über zweitausend Liter Wasser benötigt) sowie der Einsatz von Chemikalien und die toxische Veredelung von Kleidungsstücken sind hier nur ein kleiner Zacken im Zahnrad der Zerstörung.

Auch wir selbst tun uns damit nur selten etwas Gutes. Anstatt unsere Probleme an der Wurzel zu packen begießen wir sie mit materiellem Müll und verlieren unser Innerstes irgendwann ganz aus den Augen.

Das eigene Konsumverhalten hinterfragen

Ehrlichkeit ist der erste Schritt zur Besserung. Eine Frage die wir uns daher häufiger stellen sollten ist: Brauche ich das wirklich? Und wenn wir einmal absolut ehrlich zu uns selbst sind, lautet die Antwort darauf ziemlich oft Nein.

Eine Möglichkeit, unseren Konsum bewusster zu gestalten und so langfristig etwas zu verändern, könnte also folgendermaßen aussehen:

Brauche ich das wirklich? Warum wir unser Konsumverhalten dringend hinterfragen sollten

Ich selbst wende diese Strategie nun schon eine Weile an und kann sagen, dass es für mich absolut funktioniert.

Wir brauchen viel weniger als wir glauben haben zu müssen

Wenn wir uns die ersten Male bewusst mit unserem Konsumverhalten konfrontieren, wird unser innerer Zukurzkommer vermutlich erstmal ziemlich aufmüpfig reagieren und uns weis machen wollen, dass unser Leben ein tragisches Ende finden wird, wenn wir diese Hose jetzt nicht auf der Stelle mit nach Hause nehmen. Hier gilt es dann, bewusst mit dieser inneren Stimme in Kommunikation zu gehen und zu differenzieren zwischen dem, was wir haben wollen und dem, was wir wirklich brauchen.

Dass wir nämlich gar nicht so viel zum Leben brauchen, wie wir immer denken, zeigen bewährte Konzepte und Lebensstile wie etwa Minimalismus, ein Thema mit dem ich mich persönlich immer mehr beschäftige, oder, in Bezug auf Mode, die Capsule Wardrobe.

Es gibt viele Wege, etwas zu verändern. Alles was wir dafür tun müssen, ist anzufangen.

Mir ist durchaus bewusst, dass die Einschränkung unseres Konsums wohl nicht die Lösung aller Probleme ist. Aber es kann ein Anfang sein, ein erster kleiner Schritt, um das Kollektiv zum Umdenken zu bewegen und so vielleicht irgendwann nachhaltig etwas zum Positiven verändern zu können.

Was sagst du zu diesem Thema? Ich freue mich auf deine Meinung!

 

 

Sabrina

Sabrina

Sabrina ist Yogalehrerin, Autorin und das Gesicht hinter » Mutwärts «. Sie liebt es, sich kreativ auszutoben, unvergessliche Momente in Bildern und Texten lebendig werden zu lassen und im Herzen der Natur zu leben. Das Thema » Angst « nahm in den letzten Jahren einen wesentlichen Platz in ihrem Leben ein. Wie sie damit umgeht und ihre Grenzen durchbricht möchte sie mit dir auf diesem Blog teilen.
Sabrina

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16 Kommentare

    1. Das stimmt, und wie ich finde oftmals sogar noch viel tollere Sachen, weil man oft Dinge findet die nicht jeder zweite trägt 🙂

  1. Liebe Sabrina,

    ich kanm mich den Anderen nur anschließen: Ein toller Artikel und wunderbar geschrieben! Danke dir dafür – dass man am eigenen Verhalten viel verändern kann, ist eigentlich ein trivialer Gedanke (jedenfalls sollte er das sein), aber er kann gar nicht oft genug wiederholt werden. Sowohl anderen als auch sich selbst gegenüber. Denn im Hinterfragen und Mit-dem-Finger-Zeigen sind wir ziemlich gut, wenn es nicht um unsere eigenen Belange geht und wir uns nicht in den Fokus dieser kritischen Überlegungen stellen müssen.
    Was ich auch sehr schade finde, ist, dass viele Menschen (ich auch lange Zeit und periodisch auch immer mal wieder) das Gefühl haben, sie würden auf etwas verzichten müssen, wenn sie sich Gegenstand xy nicht kauften. Dass das aber nicht unbedingt der Fall sein muss und manchmal sogar das Gegenteil eintritt (man gewinnt eben an anderen Dingen), ist etwas, das man immer wieder neu lernen muss, denke ich.

    Liebe Grüße
    Jenni

    1. Danke dir, liebe Jenni! Und auch mit deinen Worten triffst du den Nagel wie immer auf den Kopf 🙂 Ich denke, dass dieses Gefühl des Verzichten müssens oder zu wenig Habens ganz natürlich ist und in jedem von uns schlummert. Wichtig ist nur, darauf aufmerksam und sich dessen bewusst zu werden.

      Ich wünsch dir einen wunderbaren Tag 🙂

  2. Danke für diesen tollen Artikel und die suuuper Infografik 🙂
    Die werde ich mir gleich abspeichern. Hihi.

    Hab einen wundervollen Tag!

    Wishes, Kat

  3. Genau so ist es. Ich war vor Jahren mit dem Rucksack durch cambodia unterwegs und habe die Fabriken gesehen. Die „Pförtner“ die mit gewehren beim Eingang stehen und alle Mitarbeiter kontrollieren, die ungefilterten abflüsse in die Flüsse usw. Seitdem kaufe ich wirklich genau nach deinem Prinzip! Ich möchte an so einer Entwicklung keinen Anteil haben. Willhaben ist für mich mein online Flohmarkt geworden seit ich als Mami nicht mehr so viel Zeit habe.
    Liebe Grüße Sabine

    1. Danke dir, liebe Sabine! Das stelle ich mir wirklich schlimm vor, umso wichtiger ist es, dass viel mehr Leute über diese Themen nachdenken. Gerade wenn etwas so weit weg passiert, neigen wir leider sehr häufig zu Verdrängung, was ja leicht ist, wenn man sich das nicht mit eigenen Augen ansehen muss. Ich bin ganz bei dir, gerade online Flohmärkte haben enorm viele Vorteile 🙂

  4. Liebe Sabrina,
    super Artikel, Hut ab! Du sprichst damit ein sehr gesellschaftstaugliches Problem an, was gerne unter den Tisch gekehrt wird. Ich selbst habe ich mit dem ganzen jetzt schon öfter beschäftigt und mein Konsumverhalten im Gegensatz zu früher, trastisch eingeschränkt und bin sicher nicht weniget Glücklich deswegen. Bei jedem Teil denke ich, genau wie an deiner schönen Grafik aufgezeigt, darüber nach, ob ich es wirklich brauche und ob es nicht auch gebraucht kaufen kann .Gerade auf Reisen, wo man oft gezwungenermaße mit dem Nötigsten auskommen muss (zb wenn man nur mit Handgepäck reist), bemerkt man, wie wenig man wirklich braucht! Ich finde es super, dass du diesen Weg gehst und ein dir Welt damit ein klein bisschen veränderst! Weiter so! Alles Liebe Sarah

    1. Vieeelen Dank, liebe Sarah! 🙂 Ja, das ist ein Thema das mir einfach sehr am Herzen liegt. Und wie du schon sagst, man braucht wirklich so wenig um zu leben und auch beim Reisen 🙂

  5. wow, bin gerade auf deinem Blog gelandet und fühl mich total inspiriert. Besonders mit diesem Artikel sprichst du mir aus der Seele. Dem Konsum können wir uns nicht entziehen, aber wir können uns für eine bewusste Auswahl entscheiden.
    Liebe Grüße Micha

    _____________________
    http://www.kitchen-news.at

    1. Hallo Micha, vielen lieben Dank für dein Kommentar und schön, dass du da bist 🙂 ja das stimmt wohl, aber ein bewusster Umgang damit kann schon vieles bewirken 🙂

      Alles Liebe, Sabrina

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