Kleider machen Vorurteile Oder: Warum es mir egal ist, was du trägst

Obwohl ich meinen Abschluss an einer Modeschule gemacht habe, konnte ich mit Mode, oder besser gesagt mit Modetrends, noch nie wirklich viel anfangen. Natürlich, anfangs war die Begeisterung groß, denn welches junge Mädchen träumt nicht davon, beruflich in die Modewelt einzutauchen. Doch schon während der Schulzeit wurde mir schnell klar, dass das einfach so gar nicht mein Ding ist. Und auch heute stelle ich das immer wieder fest. Ich bin eine der wenigen Frauen, die sich lieber direkt ins Café setzen, ohne den vorangehenden Shoppingmarathon zu absolvieren.

Es mag vieler Leute Erfüllung sein, sich durch die modernsten und exklusivsten Läden zu wühlen, auf der Suche nach den aktuellsten Trends durch das weltweite Netz zu schwimmen und stolzer Besitzer von drei überfüllten Kleiderschränken zu sein. Meine ist es nicht. Und darum soll es in diesem Beitrag nun auch gehen – um meine persönliche Meinung. Und nicht darum, irgendjemandes Leidenschaft schlecht zu machen.

Kleider machen Vorurteile

Jeder von uns hat in seinem Bewusstsein und auch Unterbewusstsein Erscheinungsbilder abgespeichert, die er mit bestimmten Eigenschaften assoziiert. So vermuten wir hinter einem Anzugträger oft einen seriösen Geschäftsmann, der Dame im adretten Designeroutfit ordnen wir einen gewissen sozialen Status zu. Und wenn ich in meinen liebsten Buddha-Pants und mit Mala um den Hals unterwegs bin, bekomme ich nicht selten Spitznamen wie Ökotussi oder Neuzeit-Hippie aufgedrückt.

Den Spruch »Kleider machen Leute« hat wohl jeder schon einmal gehört. An und für sich ist die Bedeutung dessen nachvollziehbar, doch genau genommen müsste es eher heißen »Kleider machen Vorurteile«. Denn Kleidung verändert nicht den Träger selbst, sondern lediglich die Meinung derer, die sich anhand seines Aussehens ein Urteil über ihn bilden – ob bewusst oder unbewusst. Mag auch manchmal das vorgefertige Bild mit der tatsächlichen Persönlichkeit, dem sozialen Status oder dem Beruf übereinstimmen, so tut es das auch recht oft nicht.

Wann wird Kleidung zur Verkleidung

Natürlich wurde schon des Öfteren wissenschaftlich belegt, dass Kleidung unser Denken und Handeln beeinflussen kann. Und wenn ich mich tagelang nur in Jogginghosen und Schlabberpullover durchs Leben wälze, merke ich auch, wie ich träge und antriebslos werde. Doch heißt das, dass ich das Haus nur noch top gestylt verlassen darf? Muss ich wirklich ein unpersönlicher Kleiderständer sein, der die neuesten Modetrends zur Schau trägt, nur um anderen zu gefallen? So oft ich es auch versucht habe; wann immer ich etwas trug, das mich seriöser, eleganter oder attraktiver wirken lassen sollte, fühlte ich mich wie auf einem Karnevalsfest. Wie ich später feststellte, geschah das aus einem ganz einfachen Grund: Ich versuchte mich damit zu jemandem zu machen, der ich einfach nicht war.

Und genau das ist die Kernaussage, die ich in diesem Artikel treffen will. Es geht nicht darum, anderen zu gefallen. Es geht nicht darum, was du trägst. Es geht darum, wie du dich fühlst. Denn wenn du dich wohlfühlst in dem, was du trägst, wirst du das auch ausstrahlen.

Frühjahrsputz im Kleiderschrank

Der Frühling bietet übrigens die ideale Gelegenheit, um ein bisschen auszumisten. Nimm dir vielleicht demnächst mal etwas Zeit, um einen kritischen Blick in deinen Kleiderschrank zu werfen. Brauchst du diesen Blazer, den du dir vor einem Jahr gekauft und nur einmal getragen hast, wirklich noch? Fühlst du dich in dem knallbunten Kleid wohl, auch wenn du dich sonst am liebsten in grau und schwarz hüllst? Würde sich da nicht vielleicht jemand anderes mehr darüber freuen?

Und um dem Ganzen dann noch eine Schippe gutes Gefühl draufzugeben: Spende die Klamotten, die du nicht mehr brauchst. Sammelstellen gibt es dafür eine ganze Menge, informiere dich am besten bei der Caritas oder dem roten Kreuz, oder vielleicht steht auch einen Altkleidercontainer in deiner Nachbarschaft. Ich bin mir sicher, dass sich jemand über deine ungeliebte Jeans freut.

In meinem Kleiderschrank beispielsweise finden sich nur noch meine absoluten Lieblingsklamotten und bei allen Neuankömmlingen achte ich darauf, dass sie aus fairer Produktion kommen. Denn das gibt mir ein gutes Gefühl.

Um nun zum Abschluss meines Artikels zu kommen: Modebewusstsein muss nichts Schlechtes sein, ganz im Gegenteil. Doch man sollte nicht vergessen, dass unter jedem Kleidungsstück eine Seele steckt, ein Herz, das eine ehrliche Chance verdient hat.

Wie stehts mit dir? Fühlst du dich immer wohl, in dem was du trägst? Hast du schon Erfahrungen damit gemacht, dass Leute dich nach deinem äußeren Erscheinungsbild beurteilten? Oder trägst du vielleicht selbst ein paar Vorurteile mit dir herum, die sich allein auf die Kleidung deines Gegenübers beziehen? Ich freue mich auf deine Kommentare!

 

Bild: Unsplash - Shenna Camilleri



Sabrina

Sabrina

Sabrina ist Yogalehrerin, Autorin und das Gesicht hinter » Mutwärts «. Sie liebt es, sich kreativ auszutoben, unvergessliche Momente in Bildern und Texten lebendig werden zu lassen und im Herzen der Natur zu leben. Das Thema » Angst « nahm in den letzten Jahren einen wesentlichen Platz in ihrem Leben ein. Wie sie damit umgeht und ihre Grenzen durchbricht möchte sie mit dir auf diesem Blog teilen.
Sabrina

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4 Kommentare

  1. Lustig, ich hatte gerade nach dem letzten Kursblock an der Yoga University eine Diskussion mit 2 männlichen (!) Klassenkameraden. Ich sagte, dass ich ganz besonders die Zeit in der Yoga University geniesse und gerne im – wie du es nanntest – „Neuzeit-Hippie“ oder „Öko-Tussi-Look“ rumlaufe. Und auf dem Heimweg… bequeme und praktische Kleidung. Die Männer legten Wert auf ihre schicken Schuhe und Hemden… 😀 Ich reise lieber leicht 😉

    1. Ist ja witzig 😀 aber ja, bin da auch ganz bei dir. Vor allem auf Reisen lieber leicht und bequem 🙂

  2. Liebe Sabrina,

    das ist so ein wichtiger Artikel, für den ich dir sehr danke!
    Ich habe – wie so viele andere sicherlich ebenfalls – auch die Beobachtung gemacht, dass Kleider mehr oder weniger wirklich Leute machen (oder jedenfalls zu machen scheinen) und da viel vorurteilsmäßig in die Gaderobe hineininterpretiert wird. Das muss nicht unbedingt immer etwas Schlechtes sein (denn immerhin nutzen wir genau denselben Mechanismus ja, um uns durch unsere Kleidung abzugrenzen und zu identifizieren), kann auf Dauer allerdings sehr stressen, wenn man das Gefühl hat, sich einer Art Diktat unterordnen zu müssen.

    Ich aktualisiere immer mal wieder meinen Kleiderschrank (was im Moment heißt: ich verkleinere ihn), weil ich so viele Dinge darin finde, die nicht mehr zu mir passen (erwähnte bunte Kleider) und die ich gerne gegen faire Teile oder Second-Hand-Stücke austauschen möchte. Das dauert naturgemäß eine Weile, lohnt sich aber definitiv. Denn das Wohlgefühl, das damit einhergeht, ist unbezahlbar. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    1. Danke dir für deinen Kommentar, liebe Jenni 🙂 ja da stimme ich dir vollkommen zu! Mein Kleiderschrank verkleinert sich auch immer mehr. Ich habe lieber wenig Teile, in denen ich mich dafür aber absolut wohl fühle und die ich mit gutem Gewissen tragen kann (Nachhaltigkeit, Ethik,…)

      Alles Liebe,
      Sabrina

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