Es ist nicht deine Angst.

Im heutigen Beitrag geht es um die Wirkung von Sprache und Worten. Es geht um Bewusstwerdung, um Distanz und um Loslassen. Und es soll eine kleine Erinnerung daran sein, dass diese Angst nicht deine Angst ist.

Es ist nicht deine Angst - Mutwärts Gedankenkraft
Bild: Unsplash – Oliver Pacas

Unsere Sprache ist ein kraftvolles Werkzeug, dessen Macht wir viel zu oft unterschätzen. Durch sie können wir nicht nur unsere Bedürfnisse nach außen hin mitteilen sondern auch Glück und Freude schenken, heilen, unterstützen und lehren. Andererseits können unsere Worte auch als gefährliche Waffen fungieren und oft viel tiefere Narben hinterlassen als physische Verletzungen.

Sprache beeinflusst auch unser Denken wesentlich. Das wissen nicht nur Politikgrößen und Marketingstrategen, die sich dieses Werkzeug ganz bewusst zu Nutze machen. Vielmehr als darum, andere auf Sprachebene zu manipulieren, soll es heute allerdings darum gehen, welche Rolle unsere Ausdrucksweise bei der Heilung von psychischen Krankheiten spielt und wie wir sie bewusst nutzen können, um uns von Ängsten zu befreien.

Die Identifikation mit Angst

Beginnen wir damit uns anzuschauen, wie wir über Angst sprechen. „Ich habe eine Angststörung„, „Meine Depressionen …„, „Meine Angst ist, …“ oder einfach nur „Ich habe Angst“ sind Sätze, die wir dabei häufig verwenden. Erkennst du das Muster dahinter? Wir, unser Geist, oder unser Ego, wie auch immer man es sehen mag, neigen dazu, uns mit der Angst zu identifizieren. So wird die Angst zu etwas, das zu uns gehört, das wir besitzen oder das von uns Besitz ergreift. Das wiederum nimmt uns die Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu diesem Gefühl oder Zustand zu schaffen. Weil es schwer ist, sich von etwas zu distanzieren und zu lösen, das (zu) uns gehört.

Boredom, anger, sadness, or fear are not ‚yours‘, not personal. They are conditions of the human mind. They come and go. Nothing that comes and goes is you.
Eckhart Tolle

Vielleicht merkst du langsam, worauf ich eigentlich hinaus will. Es ist wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern, dass es nicht deine Angst ist. Angst ist kein Teil von dir. Es ist nichts, was dir gehört oder zu dir gehört. Angst ist ein Urgefühl, das vom Ego aus seiner ursprünglichen zeitweisen Funktion unser Leben zu schützen in einen dauerhaften Zustand transformiert wurde. Denn mit einem solchen Zustand kann es sich identifizieren.

Unser Ego liebt es, es lebt davon, sich mit etwas zu identifizieren. Und sind es keine materiellen Dinge, enormer Reichtum oder beneidenswerte Schönheit, so kann es auch ein dauerhafter Zustand unsere Geistes, unseres Denkens sein. Und so schmerzhaft das auch sein mag, so fühlt sich ein kleiner Teil irgendwo in unserem Inneren als etwas Besonderes und sich von der Masse Abhebendes, wenn wir von unseren Ängsten, unseren Depressionen und unseren Problemen erzählen. Dann wird Angst zum (Über)Lebensinhalt, zu einem Kreislauf, aus dem es immer schwerer wird auszubrechen.

Distanz schaffen

Wenn es uns allerdings gelingt, diese Identifikation aufzulösen und das Ego zu entlarven, können wir eine gewisse Distanz zwischen uns und der Angst schaffen. Und diese wiederum kann uns dabei helfen, die Situation, die wir gerade als furchteinflößend wahrnehmen, aus einem neutraleren Blickwinkel zu betrachten. So können wir, wie ich es mir gerne vorstelle, die Angst vom Feind zum Verbündeten berufen und leichter beurteilen, ob sie uns in besagter Situation unterstützend und schützend zur Seite oder eher restriktiv im Weg steht.

Wie also können wir nun diese Identifikation auflösen? Die Antwort ist denkbar einfach wie auch herausfordernd: Mittels eines simplen Shifts in unserem Sprechen und Denken.

Aus „meine Angst“ wird „die Angst„. Aus „meine Depression“ wird „die Depression„. Aus „meine Erkrankung“ wird „die Erkrankung„. Aus dem beklemmenden Gefühl „ich habe Angst“ wird die neutrale Erkenntnis „da ist Angst„.

Der Trick ist, uns unseren inneren Dialogen, unserem Sprechen und Denken bewusst zu werden. Und wann immer wir uns dabei ertappen, dass wir uns mit diesen begrenzenden Gefühlen und schmerzhaften Zuständen identifizieren, das Possessivpronomen gegen den Artikel auszutauschen. Eigentlich ganz einfach. Oder?

Anfangs kann es ganz schön herausfordernd sein. Doch wie immer gilt: Übung macht den Meister.

Am Ende möchte ich noch darauf hinweisen, dass dies ein Weg ist, der mir persönlich sehr geholfen hat. Dies kann natürlich von Person zu Person unterschiedlich ausfallen. Da ich kein ausgebildeter Psychologe oder Therapeut bin, kann ich für die Wirkung nicht garantieren. Der Zweck hinter diesem Beitrag ist also lediglich eine kleine Hilfestellung aus meinen persönlichen Erfahrungen.

Hast du vielleicht irgendwelche Tipps oder Übungen, die dich dabei unterstützt haben zu erkennen, dass es nicht deine Angst ist? Wie immer freue ich mich darüber, wenn du deine Gedanken in den Kommentaren teilst.

 

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Sabrina

Sabrina

Sabrina ist Yogalehrerin, Autorin und das Gesicht hinter » Mutwärts «. Sie liebt es, sich kreativ auszutoben, unvergessliche Momente in Bildern und Texten lebendig werden zu lassen und im Herzen der Natur zu leben. Das Thema » Angst « nahm in den letzten Jahren einen wesentlichen Platz in ihrem Leben ein. Wie sie damit umgeht und ihre Grenzen durchbricht möchte sie mit dir auf diesem Blog teilen.
Sabrina

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2 Kommentare

  1. Hallo liebe Sabrina
    Mir hat sehr geholfen zu denken, „ich bin nicht die Angst, ich habe nur Angst“ – etwas zu haben ist nicht etwas zu sein. Das war für mich bisher am logischsten und wurde von meinem Unterbewusstsein sofort angenommen. So konnte ich mich aus jahrelanger Depression befreien.
    Ich bin nicht die Depression, ich habe eine Depression. Alles was ich habe, kann ich getrost auch wieder weggeben. Es gehört nicht zu mir.
    Ganz liebe Grüsse,
    Beatrice

    1. Hallo Beatrice, vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ja das ist auch eine total schöne Sichtweise, es freut mich sehr, dass du das für dich so umsetzen und dich aus diesem „schwarzen Loch“ befreien konntest 🙂
      Alles Liebe für deinen weiteren Weg!

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