Wenn die Depression das Leben in Frage stellt Und warum es okay ist, Hilfe anzunehmen

Auch wenn ich das am Anfang nicht wirklich geplant hatte, so wird dieser Blog, zumindest zurzeit, immer mehr zu meinem öffentlichen Tagebuch. Ich will dir schon seit Tagen und Wochen endlich mal wieder einen locker-luftigen Beitrag liefern. So was für zwischendurch. Ein Rezept, eine Produktvorstellung oder einen weiteren Beitrag zu meiner Bloggerliebe-Serie. Ich will dir nicht immer nur mein Innerstes präsentieren, denn da drin sieht es zurzeit nicht gerade yogisch rosig und fluffig himmelblau aus. Eher dunkelgrau, so in die Richtung.

Aber ich merke immer mehr, dass es nicht anders geht. Wenn ich mich hinsetze, um schnell einen kurzen Beitrag zu schreiben, dann meldet sich da plötzlich der kleine Kumpel, teuflich grinsend auf meiner linken Schulter sitzend, und macht mir weis, dass ich darauf eigentlich gerade so gar keinen Bock habe. Denn das Leben ist gerade nicht locker-leicht, nein, kein bisschen.

Weil ich was übersehen hab. Irgendwie habe ich es geschafft, die Zeichen zu ignorieren. Tage und Nächte verbringe ich damit, Gedanken hin und her zu wälzen um zu erkennen, wo der Fehler liegt. Doch ich finde ihn nicht. Ich habe das Gefühl, dass die Erkenntnis, die (Er)lösung, nur einen winzigen Schritt weit entfernt liegt. Aber egal, in welche Richtung ich meinen Fuß setze, es scheint die falsche zu sein. Und langsam aber sicher geht mir die Kraft aus.

Ich gebe mir selbst die Schuld dafür. Ich erkenne zwar meinen Fehler nicht, doch ich weiß, dass ich ihn gemacht habe. Vorwürfe und Schuldzuweisungen plagen mich, mein Ego schimpft mich Versager und Nichtsnutz, stuft mich als überflüssig ein. Und so fühle ich mich auch. Ich fühle mich wie ein Fremder in dem Leben, das ich mir über die letzten Jahre hinweg aufgebaut habe. Ich beginne, alles in Frage zu stellen, und ganz besonders den Menschen, dessen müde Augen mir aus dem Spiegel entgegenblicken. Den Menschen, den ich noch vor ein paar Jahren mit einem milden Lächeln und einem überheblichen Kopfschütteln bedacht hätte, und auf den ich schließlich doch so stolz war.

Habe ich aus mir jemanden gemacht, der ich eigentlich nicht sein sollte? Sollte ich mich lieber dem System anpassen, mich der Normalität fügen? Oder soll ich nun nur die nächste Etappe auf meiner Reise antreten? Will ich dieses Leben überhaupt noch, so wie es ist? Und wenn nicht, was will ich stattdessen? Will ich überhaupt noch irgendetwas?

 

„Und dann greift sie mich wieder, reißt mich mit all ihrer Kraft zu Boden und stößt mich in die Dunkelheit, die allem seinen Sinn und jedem die Sinne raubt.“

 

Es gibt Tage, da könnte ich ununterbrochen heulen, da zerreißen diese Fragen meinen Kopf. Und es gibt Tage, da ist alles wieder so leicht und schön, dass ich denke, ich hätte mir die ganze Traurigkeit nur eingebildet. Da erkläre ich mich für verrückt, denke, ich sollte mich nicht so anstellen, es ist doch alles halb so wild. Und auch in eben diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich, warum ich dir das erzähle. Du willst das alles bestimmt nicht hören, ich mache mich doch nur lächerlich damit, zu glauben, dass dich meine Verrücktheit tatsächlich auch nur ein kleines bisschen interessieren könnte.

Und dann greift sie mich wieder, reißt mich mit all ihrer Kraft zu Boden und stößt mich in die Dunkelheit, die allem seinen Sinn und jedem die Sinne raubt. Dann macht sie es mir schwer, morgens aufzustehen, lässt mich selbst an der Entscheidung, was ich denn essen soll, scheitern, und nährt meinen Wunsch, dem allen ein Ende zu setzen.

Und dann weiß ich wieder, warum ich dir das erzähle, weiß wieder, dass ich nicht verrückt bin. Und ich weiß, dass ich mir Hilfe holen muss. Auch wenn es mir schwer fällt und ich mich dafür schäme, dass ich Schwäche eingestehen muss, aber allein schaffe ich es diesmal nicht.

Ich weiß, dass ich nicht weiß, wohin die Reise diesmal geht. Aber den ersten Schritt will ich auf dem Weg gehen, auf dem ich um Hilfe bitten darf. Denn im Endeffekt müssen wir nicht alles allein hinkriegen, oder? Im Endeffekt ist es keine Schwäche, sondern eine Stärke, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Eine starke Entscheidung, gegen das Aufgeben und für das Leben, für sich selbst.

Und ich weiß, dass irgendwo in mir ein Herz schlägt, das will, dass ich weiter kämpfe. Ein Herz, das weiß, wie schön das Leben ist. Ein Herz, das mir sagt, dass alles in Ordnung ist, so wie es ist, und dass ich in Ordnung bin, so wie ich bin.

Sabrina

Sabrina

Sabrina ist Yogalehrerin, Autorin und das Gesicht hinter » Mutwärts «. Sie liebt es, sich kreativ auszutoben, unvergessliche Momente in Bildern und Texten lebendig werden zu lassen und im Herzen der Natur zu leben. Das Thema » Angst « nahm in den letzten Jahren einen wesentlichen Platz in ihrem Leben ein. Wie sie damit umgeht und ihre Grenzen durchbricht möchte sie mit dir auf diesem Blog teilen.
Sabrina

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2 Kommentare

  1. Liebe Sabrina!
    Danke dir dafür Einblick zu bekommen in Bereiche, die ich selbst hoffentlich niemals selbst erfahren muss. Verrückt… kein bisschen. Mutig… umso mehr. Und sich solche Lasten von der Seele schreiben, kann doch auch sehr befreiend sein.
    Ich sag dir ein großes Dankeschön dafür, deine Beiträge über dein Leben lesen zu dürfen. Ehrlich und direkt. Ohne Schönheitskorrektur. Einfach so, wie das Leben ist.
    Dir alles Liebe, Katrin

    1. Ich danke dir für deinen lieben Kommentar, Katrin! Ja, das ist es tatsächlich – befreiend. Und es ist mir sehr wichtig, auch auf dem Blog authentisch zu bleiben. Schön zu wissen, dass das ankommt, ich danke dir 🙂

      Alles Liebe,
      Sabrina

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